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Depeche Mode Stay Depeched, Keep Moding (Musikexpress, 2005)

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Stay Depeched, Keep Moding
[Musikexpress, Februar 2005. Text: Friederike Baus. Foto: Sven-Oliver Durke.]
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Was? Du hast Exciter nicht in der polynesischen Version? Du warst dieses Mal nur bei den europäischen Konzerten? Du hörst auch noch andere Bands? Über das Fan Werden, Sein und Bleiben.

Depeche Mode ist keine Band, die man mögen muss. Seit fast 25 Jahren polarisieren die Engländer die Massen Eine Zeit mit Höhen und Tiefen, die das Musikgeschäft und das Leben schrieb. Kaum eine andere Gruppe wird von so vielen Fans verehrt und gleichzeitig von so vielen Menschen verachtet wie Depeche Mode. Hunderte von Bands sind seit der Gründung von Depeche Mode vor einem Vierteljahrhundert aufgetaucht - und wieder verschwunden. Depeche Mode aber sind geblieben. Ihre Beständigkeit hat einen Grund - ihre Fans.

Fans sind Bewunderer, Verehrer, Sammler. Fans sind neugierig. Fans sind traditionsbewusst und Fans sind undglaublich treu. Das Objekt der Begierde nimmt in ihrem Leben einen hohen Stellenwert ein. Dass auch Menschen jenseits der 25 noch den Fanatismus von Teenagern entwickeln können, beweisen die Anhänger von Depeche Mode. Hat denn Fan sein per se etwas mit Jugendlichkeit oder Naivität zu tun? Die Antwort ist nein. Da mieten sich auch gerne Mal ganze Familien im selben Hotel wie Dave Gahan, Martin Gore und Andy Fletcher ein, wenn die auf (Interview-) Tour sind. Bereitwillig harren die Fans Stunden vor dem Einlass vor Konzerthallen aus, um später in der ersten Reihe zu stehen.

Depeche Mode schrieben und schreiben den Soundtrack zur Jugend und zum Leben ihrer Fans. Sie sind mit dieser Musik erwachsen geworden, sie verbinden Erinnerungen mit ihr, Erinnerungen, die teilweise über 20 Jahre alt sind. "Depeche Mode sind für mich die musikalischen Begleiter für all Lebens - und Gemütslagen", sagt Birgitta (30). "Ich kann ihre Musik immer hören, ohne dass es zuviel wird oder sie sich abnutzt" Ein Fan geht in einem Posting im Internet-Forum auf sogar noch weiter: "Sie begleiten mich seit nummehr 20 Jahren und sind immer dabei. Bei meinem ersten illegalen Discobesuch lief 'Enjoy The Silence', und seitdem höre ich jedes Album, besuche jede Tour. Sie sind immer gegenwärtig. Unsere Tochter kann auch schon mitträllern."

Sven Plaggemeier ist hauptberuflich Online-Redakteur und leitet seit 1998 die Website (siehe Interview auf der nächsten Seite). Die Homepage wurde dreimal mit dem Online Music Award als "Beste Fanpage" ausgezeichnet. Plaggemeier versucht das Phänomen Depeche Mode auf den Punkt zu bringen: "Fragt man einen Fan nach der Besonderheit der Band, so bekommt man fast immer die gleiche Antwort: das Lebensgefühl. Depeche Mode treffen seit 25 Jahren mit ihrer Musik mitten in die Herzen der Fans. Songwriter Martin Gore schreibt am liebsten über Liebe, Sex und Religion. Da is vieles dabei, was von den Fans ähnlich empfunden wird. Das verbindet." Die jugendlichen Fans von Anfang der achtziger Jahre sind mit der Musik ihrer Band erwachsen geworden, einer Musik, die sie für einzigartig halten. Jonathan Miller schreibt in der Biografie "Enthüllt: Depeche Mode - die wahre Geschichte" (Bosworth Music): "Synth-Pop, Britpop, TripHop, egal wie du es bezeichnest... es waren mehr oder weniger alles nur vorübergehende Wellen, die sich an den notorisch instabilen Ufern der Popmusik brachen. Dadurch, dass sie mit ihrer eigenwilligen Mischung aus düsteren, jedoch irgendwie auch erbaulichen Songstrukturen stets modisch unmodern geblieben waren, erweisen sich Depeche Mode als herausfordernd flexibel und sind in der Tat, einfach riesig."

"Fan sein" ist ein Hobby - und es ist mehr als das. Ein Fan ist ein leidenschaftlicher Sammler. Ein Fan besitzt alle CDs, sammelt Bootlegs und Zeitungsartikel. "Ich sammle alle offiziellen Releases: MCs, CDs, Bücher, und Fanartikel. Ich gebe schon eine Menge Geld dafür aus. Wieviel kann ich aber nicht sagen, das hängt von meinen Lebensumständen ab. Ich versuche jeden Artikel zu bekommen und alle Interviews im Radio und Fernsehen aufzuzeichnen. Es gibt eine Menge vor allem männlicher Fans, die sich auf Depeche-Mode-Vinyl spezialisiert haben, und andere, die jede unterschiedliche Ausgabe der Alben aus verschiedenen Ländern sammeln", berichtet Nadine (29), Depeche-Mode-Fan seit 1987. Das, was als Hobby begann, kann schnell in eine Art Kult münden. "Das kann so weit gehen, dass jemand seinen gesamten Urlaub dafür opfert und viel Geld dafür ausgibt, um bei möglichst vielen Konzerten einer Welttournee dabei zu sein", erläutert Sven Plaggemeier: "Wer Depeche-Mode-Partys organisiert oder Internetseiten betreibt, ist schon einige Stunden in der Woche mit seinem 'Hobby' ausgelastet."

"Ich liebe die großen Conventions, auf denen Fans aus ganz Deutschland zusammenkommen, einfach, um zu der Musik ihrer Idole Party zu machen. Der Zusammenhalt untereinander ist groß und irgendwie kann und möchte ich das alles nicht mehr missen", erzählt Nadine, "Depeche-Mode-Fans sind einfach die verrücktesten und treuesten der Welt, sie können von ihren Idolen nicht genug bekommen. Selbst wenn Depeche Mode mal Pause machen. Ich glaube auch nicht, dass es noch irgendeine andere Band gibt, von der so viele Partys in Deutschland stattfinden!" Das Phänomen der DM-Partys gibt es schon seit über zehn Jahren, und es ist in dieser Form einzigartig. Der Fan unterscheidet die Partys nach zwei Arten: Auf den einen wird ausschließlich Depeche Mode gespielt, auf den anderen zusätzlich andere, bevorzugt elektronische Musik. Die größte Depeche-Mode-Party in Deutschland findet in Hamburg statt. Der Veranstalter Frank Kottysch wollte Anfang der neunziger Jahre etwas Einzigartiges für die Fans auf die Beine stellen. Eine Party nur für Gleichgesinnte. Die erste "Party For The Masses" fand am 13. Juni 1992 in der Hamburger Markthalle statt, zu der 450 "Devotees", wie sich die Depeche-Mode-Fans gern selbst nennen, kamen. Hier wurden Freundschaften geschlossen und sogar Ehen angebahnt. Doch das ist nichts Außergewöhnliches, schließlich verstehen sich die Depeche-Mode-Fans als eine große Familie. "Fast alles dreht sicht um sie. Ich denke, es gibt kaum eine andere Band, die solch devote Fans hat wie Depeche Mode", meint Nadine. "Auch wenn mit jedem neuen Album immer jüngere Fans dazu gekommen sind: Den harten Kern bilden nach wie vor die Alten. Es sind immer die selben Leute, die man auf den großen Partys oder in den ersten Reihen der Konzert antrifft."

Nach Meinung von Sven Plaggemeier gibt es "den typischen Fan so nicht. Was alle Fans miteinander verbindet, ist die meist lange Jahre währende Liebe zur Musik und zur Band, die jeder auf seine Weise auslebt. Gemeinsam versteht man sich als eine große Familie - und dieses Zusammengehörigkeitsgefühl ist für Außenstehende durchaus sicht- und spürbar", sagt Sven Plaggemeier. Trotzdem oder gerade deswegen stoßen bei jedem neuen Album neue Fans dazu. Dazu gehören sogar schon Kids der zweiten Generation, weil sie durch ihre Eltern auf die Musik von Depeche Mode aufmerksam geworden sind, oder weil sie sich einfach begeistern können für den außergewöhnlichen Sound. Solange es die "Devotees" gibt, wird es wohl auch Depeche Mode geben. Um es mit den Worten eines Fans zu sagen: Stay depeched, keep moding...
 

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Interview mit Sven Plaggemeier (34), Redaktionsleiter und Webmaster der Fansite

Die deutschen Depeche-Mode-Fans haben den Ruf, besonders "extrem" zu sein. Ist das so?
In Deutschland ist der Kult um Depeche Mode sicherlich stärker ausgeprägt als in anderen Ländern. Das zeigen allein die zahlreichen Depeche-Mode-Partys, die bei uns jeden Monat stattfinden. Ich glaube aber nicht, dass der einzelne Fan bei uns extremer ist als der in anderen Ländern. Es gibt ja überall Fans, die einer Band auf ihren Tourneen hinterher reisen oder jeden Schnipsel sammeln, der in Zeitschriften veröffentlicht wird. In Deutschland haben Depeche Mode eben sehr viele Fans. Das mag dann nach außen hin so aussehen, als wären die deutschen Fans extremer als andere.

Wer veranstaltet die Depeche-Mode-Partys?
Die Mehrzahl der Partys wird von Fans organisiert, die das zumeist neben ihrem regulären Job machen. Einige veranstalten ihre Partys aber auch professionell. Das Phänomen der Depeche-Mode-Partys is erstmals Anfang der neunziger Jahre aufgetreten. Seitdem finden Monat für Monat dutzende Partys in ganz Deutschland statt. Und das selbst dann, wenn es weder neue Songs noch eines Tour der Band gibt.

Wie sieht die Band diese Art von Veranstaltungen?
Die Band weiß natürlich von den Partys. Sie hat sich bis jetzt aber nur wenig öffentlich dazu geäußert. Zum so genannten "Dave Dancing" - eine Art Tanz-Karaoke, in der die Leute die Bühnenperformances von Dave Gahan zu imitieren versuchen - hat sich Dave Gahan einmal ziemlich amüsiert geäußert. Ich bin mir sicher, dass die Band die Bedeutung der Partys zu schätzen weiß und sie als Teil des Kults um sie mit einem kleinen Augenzwinkern akzeptiert. Bei der längsten Depeche-Mode-Party aller Zeiten, die vor fast vier Jahren 101 Stunden lang in Hamburg gefeiert wurde, haben Depeche Mode sogar eine Videobotschaft gesendet.

Wie viele Fanclubs gibt es in Deutschland?
Ich bin mir nicht sicher, ob es überhaupt noch Depeche-Mode-Fanclubs bei uns gibt. Heutzutage spielt sich das Fansein hauptsächlich im Internet ab. Das Medium bietet die einfachste Möglichkeit, mit Gleichgesinnten in Kontakt zu treten und sich auszutauschen. Für Deutschland gibt es dazu gleich zwei Foren: zum einen ein Forum unter , das ein allgemeiner Anlaufpunkt für die Fans aus dem deutschsprachigen Raum ist. Daneben gibt es unter Regionalforen, um Fans aus seinem Umkreis kennen zu lernen.

Wievele Fans besuchen im Monat?
Die Homepage wird in Zeiten ohne aktuelle Veröffentlichungen rund 160.000 mal im Monat besucht, die Foren generieren 100.000 Page Impressions. Das zeigt, dass sich das Interesse an Depeche Mode ständig auf sehr hohem Niveau bewegt. Das Gros der Fans dürfte zwischen 25 und 35 Jahre alt sein. Depeche Mode sprechen aber auch jüngere Leute an. Eine "Vergreisung" der Fans wie bei anderen Bands, die lange im Geschäft sind, gibt es bei Depeche Mode nicht.

Woher nimmst du die Informationen für die Website?
Die beste Quellen sind natürlich die Fans selbst, denn viele Augen sehen und lesen mehr als zwei. Viele Informationen beziehe ich aus Internetforen. Daneben habe ich aber natürlich noch Kontakte zu den Webmastern von anderen Depeche-Mode-Fanseiten, zu Medienmenschen und vor allem zu Mute, dem Plattenlabel der Band, das viel für die Fans tut.
 
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